Erinnerungen an einen Sprachsommer

by Marta Pagans


Photo by  Adam Wilson  on  Unsplash

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Im August vor vielen vielen Jahren, als ich mein Abi-Zeugnis schon in der Tasche hatte, habe ich vier Wochen in England verbracht, um meine Englischkenntnisse kurz vor meinem Übersetzerstudium aufzupolieren.
Das erste Mal alleine fliegen. Danach mich im Flughafen Heathrow zurechtfinden und dann quer durch England bis nach York mit der Bahn fahren. Mensch, war das aufregend!
Die Schüler in meiner Sprachschule waren bunt gemischt. Von Studenten und Schülern wie mir bis hin zu Schullehrern, Wissenschaftlern und Geschäftsleuten war alles vertreten. Sie kamen aus aller Herren Länder – aus Japan und China, Libyen und Saudi-Arabien, aus Frankreich und Italien …
Aus Italien kam übrigens auch eine junge Frau, die mit mir bei meiner Gastfamilie wohnte. Ich habe mich ganz schnell ihrer italienischen Clique angeschlossen. Nachmittags und abends haben wir oft etwas zusammen unternommen und dabei viel gelacht. Am Ende des Sommers war mein Englisch deutlich fließender, und ich konnte sogar auf Italienisch einiges verstehen ...
Von jenem Sommer sind mir ganz schöne Erinnerungen geblieben. Vielleicht freute ich mich deswegen so sehr, als mich vor ein paar Jahren eine namhafte Sprachschule wie das Humboldt-Institut, wo Deutsch als Fremdsprache gelehrt wird, beauftragte, seine neue Internetpräsenz ins Spanische zu übersetzen. Schließlich konnte ich mich prima in die Schüler hineinversetzen. Wenn die aktualisierte Broschüre für das jeweils nächste Jahr dran ist, freue ich mich jedes Mal aufs Neue. Da kann ich wieder ein bisschen in alten Erinnerungen schwelgen.
Und ihr? Habt ihr auch Sprachkurse im Ausland besucht? Verratet ihr mir eure schönste Erinnerung daran?


Heute sage ich danke!

by Marta Pagans


Eine Uebersetzerin sagt danke.jpg

Heute früh habe ich eine Anfrage bekommen. Von einem jungen dynamischen weltweit agierenden Unternehmen mit einer sehr schicken Website. Ob ich aus dem Englischen ins Katalanische übersetze? Ja, mache ich. Ob ich interessiert daran wäre, für ein großes Social-Media-Projekt zu übersetzen? Ja, wäre ich. Sie würden mir dafür 3 Cent pro Wort anbieten ...

Ähm, wie bitte?

Auch wenn ich in Lichtgeschwindigkeit tippen könnte und kein einziges Wort nachschlagen und keinen einzigen Satz zwei Mal lesen müsste, käme ich bei so einer Bezahlung kaum über die Mindestlohngrenze hinaus.

Ich hätte mich heute früh furchtbar aufregen können. Ich hätte anfangen können, über die Folgen der Digitalisierung, der Globalisierung und der Künstlichen Intelligenz nachzugrübeln und mir über die Zukunft meines Berufes Sorgen zu machen. Ja, ich hätte mich heute früh wirklich furchtbar aufregen können.

Da ich die letzte Nacht aber so gut geschlafen habe und die Sonne gerade so herrlich scheint, bleibe ich heute gelassen und bevorzuge es, kurz innezuhalten und mich in Dankbarkeit zu üben.

Ich bin dankbar, dass ich auf solche unverschämten Anfragen nicht angewiesen bin. Ich bin dankbar dafür, dass ich mir in den letzten zwei Jahrzehnten einen guten Ruf als Übersetzerin aufbauen konnte. Ich bin vor allem dankbar für meine Kunden und Kundinnen, die meine Arbeit schätzen und mir dafür eine angemessene Bezahlung bieten.

Ich habe heute früh die Anfrage dankend abgelehnt und konnte es mir nicht verkneifen, nebenbei zu erwähnen, dass mein Wortpreis um einiges höher liegt. Eine Antwort dazu bekam ich natürlich nicht ...

Und ihr? Wie reagiert ihr auf unverschämte Anfragen? Schafft ihr es, gelassen zu bleiben, oder bringen Sie euch aus der Fassung?


Die Technik und ich – eine Hassliebe

by Marta Pagans


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Letzens beim Übersetzerstammtisch in Mannheim hatten wir mit Übersetzerkollegin Teresa La Torre und dem brandneuen Regionalleiter Sebastian Kreimes einen sehr interessanten Austausch über Technik – und zwar über die vielen kleinen Helferlein, die uns unsere Arbeit erleichtern. Sebastian hat am Rande erzählt, er würde neue Programme oft abends bei einem Glas guten Wein in aller Ruhe ausprobieren. Das würde ihm Spaß machen. Ich habe versucht, es mir nicht anmerken zu lassen, aber ich war einfach entsetzt!

Mich noch abends mit neuen Programmen auseinanderzusetzen und das auch noch zu genießen, ist für mich einfach unvorstellbar. Wenn ich schon eine Nachtschicht freiwillig einlege, dann eher, um etwas Kreatives zu machen, wie zum Beispiel diesen Post zu schreiben.

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich mag Technik. Ich mag sie sehr. Tools, die mir helfen, meine Arbeit schneller und vor allem noch besser zu machen, schätze ich ungemein. Das Anwenden macht mir aber nur dann Spaß, wenn ich diese Tools auch wirklich beherrsche.

Das mühsame Aneignen von neuen Programmen bzw. aktuelleren Versionen empfinde ich jedes Mal als eine Qual. Bis alles reibungslos klappt, alle Einstellungen stimmen und das jeweilige Programm auf Anhieb macht, was ich will, erlebe ich immer wieder Momente der Verzweiflung.

Deswegen warte ich mit neuen Tools und neuen Versionen, bis es unbedingt sein muss. Ankündigungen von technischen Neuerungen erwecken in mir eher Widerstand als Begeisterung. Wenn es das komplette Gegenteil einer Beta-Testerin gibt, dann bin ich das.

Wahrscheinlich war ich deswegen vom Thema „Neue Wege im digitalen Zeitalter “ der internationalen Fachkonferenz in Bonn am Anfang nicht gerade begeistert. Digitaler Umbruch, künstliche Intelligenz … – nein, das sind nicht gerade die Themen, wofür ich brenne. Deswegen aber eine so großartige Gelegenheit verpassen, drei Tage lang zu netzwerken? Alte Gesichter wiederzusehen und ganz viele neue kennenzulernen? Das ging natürlich auch nicht! Wer weiß, vielleicht wird mich diese Konferenz eines Besseren belehren und werde ich das Thema demnächst doch noch ganz interessant finden.

Wie sieht es bei euch aus? Gehört ihr eher zu den Technikbegeisterten oder eher zu den Technikmuffeln? Und noch viel wichtiger: Sehen wir uns in Bonn?


Wenn der Postmann ...

by Marta Pagans


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Kennt ihr das? Ihr arbeitet im Home Office, wie man auf Neudeutsch so schön sagt. Ihr habt euch ein kleines, feines Büro eingerichtet und seid deshalb sehr oft zu Hause anzutreffen. Sobald die Postboten das mitbekommen haben, werdet ihr zur Postsammelstelle für die ganze Straße …

Mittlerweile habe ich die Vermutung, sie versuchen es nicht mal bei dem richtigen Nachbarn zu klingeln. Ich muss gestehen, das stört mich nicht besonders. Zwei Stockwerke runter bis zur Haustür und wieder zwei Stockwerke hoch zurück ins Büro bringen meinen Kreislauf wieder in Schwung. Wenn der nette Postbote dran ist, können wir ja ein kleines bisschen schwätzen.

Wenn ich aber unter Zeitdruck stehe, bin ich manchmal versucht, die Klingel einfach zu ignorieren. Gut, dass ich das heute nicht gemacht habe. Heute war das Päckchen ausnahmsweise für mich.

Eine Colomba ist nämlich extra aus Sizilien zu mir geflogen. Diese italienische Spezialität in Form einer Ostertaube wurde mir von zwei tollen Kundinnen und sehr geschätzten Kolleginnen geschickt. Als ich das Päckchen aufgemacht und die lieben Zeilen auf der Grußkarte gelesen habe, habe ich über das ganze Gesicht gestrahlt. Wie schön, so in die Ostertage starten zu können.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, schöne (und leckere) Ostern!